Erinnerungen an die Broadway-Piano-Bar

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Der Ruf nach einer eigenen Bar erklang zu später (oder früher?) Stunde, als die Partie um Bela Koreny und Leonard Bernstein 1984, wie gewohnt, in Gerhard Bronners Fledermaus Bar zwischenlanden wollte, aber zu ihrer Enttäuschung vor verschlossenen Türen stand. Ob dieser Enttäuschung und gleichsam in spirituell angereicherter Stimmung war der Entschluss schnell gefasst: Lenny versprach, in Belas neuer Bar ein Konzert zu geben, und einige Wochen später begann mit der Eröffnung der Broadway Piano Bar die Geschichte einer Legende.

Belas Pläne hatten sich spontan wie ein Lauffeuer in seinen Freundes- und demnach Künstlerkreisen verbreitet, und daher war es kein Wunder, dass das Etablissement von Beginn an als Garant für lange Nächte mit anregenden Gesprächen, unvergessenen künstlerischen Programmen und warmer Küche bis ins Morgengrauen galt. „Als wir die Bar eröffneten, meinte Helmut Qualtinger anfangs zwar noch, dass es die ,schiachste Bar’ wäre, was sich dank der Mithilfe vieler Freundinnen und Freunde allerdings rasch änderte,“ erinnert sich der Hans Dampf in allen musikalischen Gassen. „Damals erklärte das Ensemble von Cats etwa die Bar zu ihrem kreativen Wohnzimmer, und so folgten schon bald hinreißende Darbietungen aus der Welt des Musicals. Oder etwa unsere Aufführungen der Dreigroschenoper, die wir aufgrund nicht enden wollender Publikumswünsche ein halbes Jahr lang aufführen mussten. Unser Programm begann grundsätzlich nicht vor elf Uhr abends, denn es ließ sich kaum jemand nehmen, nach seinen Auftritten im Hauptabendprogramm auf den großen Bühnen in Wien legendäre späte Perlen ihres Könnens hier zu präsentieren. So erinnere ich mich etwa an den damals noch blutjungen Julian Rachlin, der im Lauf der Jahre wohl an die 250 Mal hier gespielt hat oder Udo Jürgens, der zu später Stunde stets gerne den großen Konzertsaal gegen die unvergleichliche Atmosphäre der Tuchfühlung mit seinem Publikum in der Broadway Bar tauschte.“ Auch der Miterfinder Leonhard Bernstein hielt natürlich sein Versprechen und gab eine unvergleichliche Konzertnacht im proppenvollen Lokal, dem beizuwohnen Bela allerdings verwehrt blieb, weil er vor der Türe bestrebt war, das hereindrängende Publikum, weil’s drinnen keinen Platz mehr gab, zu verhindern … So blieb es auch weiterhin, und wer zu den treuen Gästen zählte, konnte Abende, um einen kleinen Auszug zu nennen, etwa mit Billy Joel erleben, Mercedes Echerer, Cornelius Obonya, Karlheinz Hackl, Gerhard Bronner, wenn er hier zu Besuch war, aber auch Roger Moore und Kiefer Sutherland.

Nachdem die Bar wegen eines Immobilienspekulanten 2007 gezwungen war, zu schließen, ist damit wohl die Ära eines der kreativsten Schmelztiegel der Kulturstadt Wien verschwunden. Was aber Belas Umtriebigkeit und Spirit nach den mehr als 20 Jahren nicht geschmälert hat, lässt er uns Jahr für Jahr stets an seiner Ideenvielfalt auf der Bühne gemeinsam mit seinen vielen Gästen teilhaben.